Die Synagoge

Die Synagoge wurde von 1927-29 im Bauhausstil erbaut.

Bereits 1907 dachte man innerhalb der jüdischen Gemeinde Bad Nauheims daran, eine neue Synagoge zu bauen. Der stets zunehmende Besuch von Kurgästen legte diesen Gedanken nahe.


Die erste Synagoge wurde 1867 eingeweiht
(Durchgang Alicestraße und Karlstraße)
.

Im Jahre 1920 wurde von Louis Löb ein Grundstück in der Karlstraße erworben. 1927 stellte ein Kurgast aus München, Herr Albert Kaufmann, zinslos ein Darlehen in Höhe von 40 000 Goldmark zur Verfügung.

"Nachdem die bürgerliche Gemeinde und die Vorstandsmitglieder persönlich die Bürgschaft für die Rückzahlung des Geldes übernommen hatten...", konnte mit dem Bau begonnen werden. Der Kunstmaler Otto-Franz Kutscher nahm die Ausmalung der Fenster vor. An den Bauarbeiten waren ausschließlich örtliche Bauhandwerker beteiligt.

Architekt Kaufmann schrieb: "Der Baustil der Synagoge fällt durch seine schlichte Sachlichkeit auf". Der Vorbau in der Karlstraße, ein hochgezogener Kubus ohne Dach,

    Fotos: Knufinke 2007

lässt das Gebäude aus der Reihe der Wohnhäuser wirkungsvoll heraustreten. An den Vorbau schließt sich nach Osten der eigentliche Synagogenraum.

Da der Osteingang am Bethaus fast drei Meter tiefer liegt als die Karlstraße, war die Errichtung eines von Osten zugänglichen zweiten Erdgeschosses möglich, in dem die sogenannte Wintersynagoge und die Lehrerwohnung untergebracht sind. (Heute befinden sich dort ein Gemeindesaal, der auch als Restaurant benutzt wird, eine Küche und eine Wohnung für den Rabbiner.)

Im Untergeschoss des Westbaus befindet sich das rituelle Bad (Mikwe), im Erdgeschoss die Vorhalle zur großen Synagoge,

im ersten Stock ein Sitzungszimmer (heutiges Büro) und darüber noch ein 80-100 Personen fassender Vortragsraum.

Der große Synagogenraum hat 250 Sitzplätze. Der äußeren Schlichtheit des Gebäudes entspricht auch die des Inneren. Auf ornamentalen Schmuck von Wand und Decke ist ganz verzichtet worden. Warme Farbgebung und helles Licht von außen ersetzen die Dekoration. Zwei Säulen rechts und links vom Mittelgang tragen die Frauengalerie.

Der Blick konzentriert sich auf die kultisch bedeutungsvollste Stelle der Synagoge, den in der Mitte des Raumes stehenden Almemor, den Platz für die Thoravorlesung, der einen in der Höhe sich baldachinartig schließenden Aufbau trägt. Dahinter auf der Estrade die aus Marmor gefertigte heilige Lade, in der die Thorarollen verwahrt sind.

Dem Charakter des Raumes angepasste Kultgegenstände ergänzen die Ausstattung. So stellt die neue Synagoge eine glückliche Verbindung von Zweck- und Kultbau dar. Möge sie allezeit der israelitischen Gemeinde zum Segen und der Stadt zur Zierde gereichen.

Dass die Bad Nauheimer Synagoge nicht, wie es fast allen Synagogen geschah, abgebrannt wurde, hat Peter Busse, der erste deutsche Jude, der die Synagoge im Jahre 1945 wieder betreten hat, so beschrieben: "Einige mutige Männer waren noch rechtzeitig in der Lage, das Feuer zu löschen..."

Am 14.03.1939 wurde das Synagogengebäude an die Stadt Bad Nauheim verkauft. Als Beauftragte der jüdischen Gemeinde fungierten: Albert Spiegel, Berthold Baer, Hermann Floersheim und Sally Rosenthal. Das Gebäude wurde während des Krieges als Depot zweckentfremdet genutzt.

Sofort nach dem Einmarsch der Amerikaner im März 1945 wurde die Synagoge mit Mitteln der Stadt als Gotteshaus hergestellt. Am 27.04.1945 fand in der Synagoge erstmals seit 1938 ein Gottesdienst statt. Im Jahre 1945 waren laut Paul Arnsberg teilweise bis zu tausend Juden in Bad Nauheim ansässig. Die jüdische Bevölkerung bestand aus amerikanischen Soldaten, die oft Kinder deutscher Emigranten waren, ferner so genannten Displaced Persons, d.h. ehemalige Zwangsarbeiter aus Osteuropa, und KZ-Überlebenden.

Text: Stephan Kolb

Im Jahr 2002 wurde die Synagoge innen komplett renoviert.

2012-2014 wird die Synagoge außen renoviert. Außerdem wird die Mikwe saniert.

2015 wird das Treppenhaus und das Restaurant/Gemeindesaal renoviert.